Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung e.V.
Kreisvereinigung Düren
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Menschliche Begegnungen und fachlicher Austausch


Bosnische Delegation informiert sich über Arbeit mit Menschen mit Behinderung in Düren

Sollte es im Vorfeld Berührungsängste gegeben haben, waren diese spätestens nach wenigen Minuten auf dem Sommerfest des Vereins Lebenshilfe verflogen. „Sie wissen, wie man mit Gästen umgeht“, sprach Mersed Djedovic den Gastgebern um Geschäftsführer Wolfgang Prümm ein herzliches Lob aus. Der 53-Jährige lebt in Dürens bosnischer Partnerstadt Gradacac und ist aufgrund einer frühkindlichen Hirnschädigung auf einen Rollstuhl angewiesen. Auf Einladung der Stadt Düren waren Mersed Djedovic, Nermin Ibrahimovic, Samir Dzinovic, Vesna Sendic und Munever Omeragic zu Gast an der Rur. Begleitet wurden sie von Suada Karic, der Präsidentin des Vereins „Kutak Radosti“ („Ecke der Freunde“), Therapeut Fadil Imsirovic, der Volontärin Selma H. Mehmedovic sowie Dolmetscherin Indira Hiseni.

Die Lebenshilfe, die als Verein für Menschen mit Behinderung gegründet wurde, kümmerte sich nicht nur mit um die Betreuung der bosnischen Gäste mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Vorstand und Geschäftsführung des Vereins ermöglichten auch viele Begegnungen sowie einen Fachaustausch der Betreuer. Der Dürener Verein betreibt unter anderem vier integrative Kindertagesstätten und betreut 100 Menschen stationär sowie 50 Menschen im Betreuten Wohnen. Die Lebenshilfe Düren hat etwa 310 Mitarbeiter. Zur Eingliederung von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben betreiben Lebenshilfe Düren und Lebenshilfe HPZ die Rurtalwerkstätten, die die Gruppe, begleitet von Dürens Bürgermeister Paul Larue und der Städtepartnerschaftsbeauftragten Katja Schmitz, am Montag besuchte. Zuvor standen am Sonntag für die Gäste aus Gradacac und Dürener Bewohner von Wohngruppen eine Fahrt auf dem Rursee und ein Besuch des Lebenshilfehauses auf dem Programm.

Anders als in Deutschland ist die Sorge um Menschen mit Handicap in Bosnien ausschließlich Aufgabe der Kommunen, die jedwede Unterstützung selbst finanzieren müssen. In Gradacac unterstützen deswegen die Stadt, das Sozialamt und das städtische Krankenhaus den Verein Kutak Radosti, dessen Mitarbeiter mit Ausnahme einer Person alle ehrenamtlich tätig sind. Insgesamt werden rund 70 Menschen mit Behinderung betreut und unterstützt, ein Großteil der Arbeit wird über Spenden finanziert, berichtete Präsidentin Suada Karic, die hauptberuflich in einem Kindergarten arbeitet.

Der Verein ist eine Art Tageszentrum, den Großteil der Arbeit macht jedoch die Unterstützung hilfebedürftiger Personen im häuslichen Umfeld aus. In Gradacac wohnen Menschen mit Handicap überwiegend bei ihren Eltern,  Angehörigen oder Freunden der Familie. Wenn beide Elternteile sterben, erben die Kinder mit Handicap die Rente – und können ebenfalls Unterstützung vom Verein oder der Stadt in Anspruch nehmen. Die ehrenamtlichen Helfer erledigen beispielsweise Einkäufe, kümmern sich mit um den Haushalt oder übernehmen stundenweise die Betreuung.

Während in Deutschland versucht wird, im Rahmen der Nachbarschaftshilfe wieder mehr Unterstützungsangebote zu aktivieren, funktioniere dies in Bosnien noch recht gut, berichtete Suada Karic. „Die Innenstadt hat 15.000 Einwohner, im gesamten Stadtgebiet sind es 39.000, alle kennen sich, die Menschen fühlen sich füreinander verantwortlich“, sagt sie. Stationäre Betreuungseinrichtungen gibt es nicht. Die Beschulung von Kindern mit körperlichem oder geistigem Handicap ist in Gradacac aber der Regelfall. Was hingegen fehlt, sind Angebote zur beruflichen Integration. Umso interessanter war der Besuch der Rurtalwerkstätten für die Gäste, die viele Eindrücke mitnahmen. Die Einladung für einen Gegenbesuch in Gradacac steht auch.

Text + Foto: Stephan Johnen

Foto: Stephan Johnen
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Foto: Stadt Düren
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Foto: Lebenshilfe
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Foto:Lebenshilfe Rücktransfer zum Flughafen
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Foto: Lebenshilfe
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