Unsere Inklusionsfachkräfte – mit Herzblut und Zertifikat

Wie lernt man eigentlich Inklusion?
Hier gibt es keinen gradlinigen Weg, aber viele Möglichkeiten. Eine davon ist die umfangreiche Fortbildung zur Inklusionsfachkraft.
Im Dezember 2025 haben 16 motivierte Mitarbeiter*innen unserer vier Kindertagesstätten erfolgreich diese zertifizierte Schulung abgeschlossen. Ein ganzes Jahr wurden sie fortgebildet von Dozent*innen der Paritätischen Akademie NRW. Berufliche Weiterentwicklungen sind uns als Arbeitgeber ein wichtiges Anliegen, denn von wachsenden Kompetenzen profitiert die Arbeit in den Teams und mit den uns anvertrauten Menschen. Daher freuen wir uns sehr über die Möglichkeit dieser Fortbildung – exklusiv für unsere Mitarbeiter in unserem Haus. Die Inhalte sind vielfältig: Neben gesetzlichen Grundlagen zur Inklusion gehören auch praktische Anwendungen dazu, z. B.: der Prozess der Förder- und Teilhabeplanung oder wie man als Einrichtung vernetztes Wissen und inklusive Kultur im Sozialraum nutzt. Abgerundet wird die Fortbildung mit Wissen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Kindern, Sprachentwicklung oder Autismus sowie die Systemischen Gesprächsführung.

Wir haben zwei der Absolventinnen nach der erfolgreichen Fortbildung interviewt.
Geraldine Pechner, Leitung der Kita Bachpiraten und Marina Frentzen-Hartung, Pädagogische Fachkraft in der selben Einrichtung sind sichtlich stolz auf ihr erworbenes Zertifikat – und das damit erworbene Wissen. Dabei hatten beide bereits einen langjährigen Erfahrungsschatz in inklusiver Arbeit:

Geraldine Pechner:
Ich bin gelernte Heilerziehungspflegerin und dadurch habe ich schon viele Jahre mit Menschen mit Behinderungen gearbeitet. Ich habe viele Erfahrungen bei der Lebenshilfe im Allgäu gemacht, habe dort im Wohnheim gearbeitet, in einer Heilpädagogischen Tagesstätte als Gruppenleitung, bei der Stadt Hückelhoven als Inklusionsfachkraft. Dadurch hatte ich Einblicke in sämtliche Sparten und Altersgruppen.

Marina Frenzen-Hartung:
Ich habe hauptsächlich schon immer inklusiv gearbeitet, war früher beim Träger DRK, anschließend beim BKJ Eschweiler. Alles waren inklusive Gruppen.

Hatte ihre Ausbildung bereits einen inklusiven Schwerpunkt?
Marina Frenzen-Hartung:
Nee, bei mir war es klassisch Erzieherin, und dann tatsächlich erstmal: Learning by Doing. Später kamen dann viele Fortbildungen nebenbei dazu.

Geraldine Pechner:
Das ist tatsächlich so, dass man grade in dem Bereich immer wieder neu dazulernen und sich einlesen muss. Man wächst eigentlich stetig an seiner Aufgabe. Einen Stillstand habe ich in der ganzen Zeit im Sozialbereich noch nie erlebt.

Merken Sie, wenn junge, frisch ausgebildete Menschen kommen, dass da eigentlich etwas fehlt in der pädagogischen Ausbildung?
Geraldine Pechner:
In der Heilerziehungspflege nicht, aber bei der Erzieher-Ausbildung definitiv. Ich hab es vor allem in den Regelkindergärten so erlebt: Es sind ganz viele, die den Umgang scheuen, Angst davor haben, es gar nicht wollen und so wird Inklusion gar nicht erst gelebt. Es darf eigentlich gar nicht mehr so sein, ist aber in vielen Regelkindergärten gang und gäbe.

Marina Frenzen-Hartung:
Ich empfinde es dann auch immer so, dass die Kinder ganz schnell falsch eingeschätzt werden. Weil viele einfach keine Erfahrung mit gewissen Behinderungsbildern haben. Die Kinder werden dann ganz schnell als sehr anstrengend oder extrem lebhaft in eine Schublade gesteckt. Aber wenn man sich ein bisschen mit den Behinderungsbildern auseinandersetzt, dann weiß man auch, wie man die Kinder besser fördern, motivieren und einfach noch besser in die Gruppe integrieren könnte. Das fehlt mir tatsächlich ganz ganz häufig bei den jungen Kolleg*innen.

Sie haben sich das Know-How gut aufgebaut. Ist es der Alltag in einer inklusiven und heilpädagogischen Kita trotzdem anstrengender als in einer Regel-Kita?
Beide: Ja, auf jeden Fall.

Das heißt, wahrscheinlich ist nicht jeder diesem Pensum gewachsen, oder?
Marina Frenzen-Hartung:
Ja, ich glaub, der Wille dazu muss tatsächlich da sein. Man muss Inklusion leben, man muss dahinter stehen. Und wenn man das nicht möchte, dann kommt man ganz schnell an seine Grenzen.

Geraldine Pechner:
Wobei ich der Meinung bin, dass jeder, der im sozialen Bereich tätig ist, sich damit auseinander setzen sollte. Es sollte endlich ein Umdenken stattfinden, sonst haben wir im System noch mehr Probleme.

Nun haben Sie beide schon einen starken Hintergrund im Bereich Inklusion – trotzdem haben Sie beide diese Fortbildung gemacht. Was hat Sie dazu bewogen? Es ist ja ein nicht unerheblicher Zeitaufwand mit vielen Wochenend-Terminen.
Marina Frenzen-Hartung:
Die Qualität in der Arbeit kann man natürlich immer steigern. Man sollte sich selber nie in dem Level sehen “Ich weiß alles, egal was da noch kommt, ich brauche das alles nicht mehr”. Fortbilden sollte man sich wirklich bis an den letzten Tag. Wenn man anfängt zu stagnieren, grade im Umgang mit Kindern, mit Menschen, dann sind wir aufgeschmissen.

Geraldine Pechner: Mich hat die Zertifizierung sehr gereizt. Auch, wenn ich schon lange als Inklusionsfachkraft gearbeitet habe, ich habe mir das ja letztlich alles selber angeeignet. Ich wollte das Wissen für mich vertiefen und das Spektrum erweitern.

Was haben Sie am nachhaltigsten mitgenommen aus der Fortbildung?
Geraldine Pechner:
Der Kurs war teilweise eine Auffrischung und es gab viele komplett neue Aspekte. Es war sehr umfassend. Das Anwenden von systemischer Gesprächsführung fand ich sehr interessant und wertvoll.

Marina Frenzen-Hartung:
Ja, das konnten wir schon mehrfach in Elterngesprächen positiv anwenden. Wir haben gemerkt, dass wir direkt entspannter und entschleunigter da rein gehen konnten. “Begib dich auf die Insel des anderen”, wurde uns gesagt. Das heißt, dass man sich in die Situation des Gesprächspartners hineinversetzt.

Sehr wichtig und wertvoll waren auch die Themenblöcke über herausfordernde Kinder und Autismus. Es ist wichtig, dass man in verschiedenen Situationen nochmal überlegt “Warum ist das Kind jetzt so, was liegt für das Kind grade im argen?” Und dass man seine eigene pädagogische Arbeit dafür nochmal hinterfragt. Man darf nie vergessen zu reflektieren und die Arbeit an die Bedürfnisse anzupassen. Ich finde dafür hat die Fortbildung wirklich sehr sehr viel gebracht. Auch der Austausch mit den anderen Kursteilnehmern war sehr wertvoll für uns.

Geraldine Pechner:
Ja, man hat gemerkt, dass über die Zeit die vier einzelnen Kitas der Lebenshilfe Düren im Kurs zu einer Kita zusammengewachsen sind. Es war wertvoll für die Häuser untereinander.

Wie geben Sie ihr Wissen weiter?
Geraldine Pechner:
Es wird immer Momente geben, in denen man weniger erfahrenen Kolleg*innen zur Seite steht und im Rahmen der Situation das Erlernte weiter gibt.
Die nächsten Kursteilnehmer sind schon gesetzt. Es nimmt von uns z. B. eine Ergänzungskraft teil, die gezeigt hat, dass sie sehr fähig ist und ich freue mich total für sie, dass sie sich in diesem Bereich weiterbilden kann.

Marina Frenzen-Hartung:
Es gab tatsächlich schon ein paar Mal Situationen, in denen wir direkt Inhalte aus der Fortbildung an unser Team weiter gegeben haben. Wenn ein Kollege in einer speziellen Situation nicht weiterkam, konnten wir ihm oder ihr sagen “Hey, probier’ doch mal das aus, vielleicht hilft das weiter.” Da kann das Team echt von profitieren. Das passiert aber eher im Alltag. Wir haben gar keine Möglichkeit, das jetzt in großen Runden detailliert weiterzugeben.

Geraldine Pechner:
Die nächsten Kursteilnehmer sind schon dran. Es nimmt von uns z. B. eine Ergänzungskraft teil, die gezeigt hat, dass sie sehr fähig ist und ich freue mich total für sie, dass sie sich in diesem Bereich weiterbilden kann.

Marina Frenzen-Hartung:
Mein Wunsch für die Zukunft wäre, dass jeder seine Ressourcen erkennt und nutzt. Mir fehlt ein bisschen, vor allem bei den jüngeren Menschen, dass sie Fortbildungen besuchen und anwenden. Dass da der Ehrgeiz wieder steigt.